Nicht nur der Nikolaus stammt aus der Türkei…

Besinnung in der Vorweihnachtszeit

Ein alljährliches Phänomen ist die Adventszeit. Es kommt Weihnachten und wenn man als vielbeschäftigter Mensch das ganze Jahr kaum Zeit hat, so besinnen sich auch die Christen, die ihren Glauben weniger praktizieren, wieder auf ihre Traditionen und Bräuche.

Die Adventszeit ist des Deutschen liebstes Kind, man bastelt Adventskränze, schneidet Fenstersterne aus und schmückt die Wohnung weihnachtlich. Auch die, die nicht regelmässig oder gar nicht den bei der Taufe angenommenen Glauben praktizieren, tun das meistens. Ein heimeliges Gefühl in der dunklen Jahreszeit mit Kerzen und duftenden Bratäpfeln ist etwas für Jedermann. Es ist die Zeit der Besinnung, sagt man. Worauf sich jeder einzelne Advents- und Weihnachtsfreund besinnt, ist wohl sehr unterschiedlich.
Dass der Weihnachtsbaum nichts mit dem Christentum zu tun hat, auch wenn darunter die Weihnachtskrippe mit dem Jesuskind steht, wissen viele nicht. Den Brauch, eine düstere Winterzeit mit grünen Pflanzen als Symbol für neues Leben sowie Kerzen als Hoffnung auf mehr Licht zu schmücken, gab es schon immer. Die katholische Kirche war in früherer Zeit gegen das Aufstellen des Baumes, denn die Krippe mit dem Jesuskind sollte das eigentliche Merkmal des Weihnachtsfestes sein. Auch das ist weitgehend unbekannt. Der Weihnachtsbaum ist ein heidnischer Brauch und wurde bereits im Mittelalter praktiziert.
Doch erst einmal erscheint am 6. Dezember eine sehr wichtige Figur im christlichen Glauben an der Türe der Kinder, der heilige Nikolaus, der Bischof von Myra, der die braven Kinder reich beschenkt und in manchen Regionen , wie Bayern, heute seinen Knecht Ruprecht als den Bestrafer der bösen Kinder mitbringt.

Doch woher kommt der Nikolaus eigentlich? Wo hat der christliche Glaube seinen Ursprung?

Wer schon einmal in der Türkei war oder auch eine Rundreise durch die Türkei gemacht hat, kam vielleicht auch in den kleinen Urlaubsort Patara an der Lykischen Küste (Westküste) der Türkei. Wenn man vor der Reise die Besonderheiten dort erfahren will, hört man erst einmal von den schönen und langen Stränden, aber selten etwas davon, dass Patara der Geburtsort unseres heiligen Nikolaus war. Der Bischof Nikolaus von Myra wurde zwischen 270 und 286 in Patara geboren. Als Sohn reicher Eltern verteilte er sein ererbtes Vermögen unter den Armen.
Daher kommt auch der Brauch in Deutschland, den Kindern am Nikolausabend Geschenke zu machen. Er starb am 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365. Er ist einer der populärsten Heiligen der Ost- und Westkirche. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird in zahlreichen christlichen Glaubensgemeinschaften als kirchlicher Feiertag begangen.

Wenn wir Richtung Izmir, die Küste entlang, weiterreisen , kommen wir nach ca. 400 km nach Selcuk nahe dem antiken Ephesus und von dort aus geht es über eine gut befahrene Strasse hinauf zum Nachtigallenberg, dem wunderschönen Bülbül Dağı, einen besinnlichen und stillen Ort, den gläubige Katholiken kennen.

Christen bringen das antike Ephesus mit Maria, der Mutter von Jesus, in Verbindung, weil Jesus am Kreuz vor seinem Tod, dem Johannes seine Mutter anvertraute: „‘Siehe, das ist deine Mutter!‘ Von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ ( Johannes 19, 27 ) Der Apostel Johannes wurde ebenfalls in Ephesus begraben und man vermutet, dass er in Ephesus gelebt hat, um von dort – in seinem Wirkungsbereich Kleinasien – das Evangelium zu verkünden. Jedes Jahr am 15. August, dem Tag der Himmelfahrt der Mutter Gottes, werden an ihrem Haus, auf dem jetzt eine Kapelle steht, christliche Messen und Prozessionen ihr zu Ehren abgehalten.
Auch die vorletzten beiden Päpste Johannes Paul und Benedikt zelebrierten dort die Messe mit Gläubigen aus Europa. Am 20. August 2006 brannte das ganze Gelände um den Nachtigallenberg rundherum komplett ab – allein das Haus der Hl. Maria und alle Anlagen, die dazu gehören , blieben verschont, was wirklich einem richtigen Wunder gleichkommt.

Doch wo fand nun das Christentum seinen Ursprung?

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Prachtstrasse in Patara, wo der Hl. St. Nikolaus gewirkt haben soll

Die Anfänge des Christentums liegen in Antiochien, dem heutigen Antakya in der Provinz Hatay an der syrischen Grenze. Die griechische Übersetzung für Christus ist “Khristos”. Dieses Wort wird zum ersten Mal in Antiochia verwendet. “Khristos” bedeutet “die dem Messias folgen, Freund des Messias”. Der Apostel Paulus ist in Tarsus, einer kleinen Stadt an der Südküste der heutigen Türkei, wahrscheinlich im Jahr 10 n. Chr , geboren. Das Römische Reich erstreckte sich zu der Zeit von der Westküste Spaniens und Nordafrikas bis hin zur Ostküste des Schwarzen Meeres, von der Nordseeküste bis Äthiopien im Süden.
Paulus hat seine religiösen Schriften und Briefe fast alle auf anatolischem Boden verfasst, so auch den ersten Korintherbrief. Es gab zu der Zeit in Ephesus bereits eine christliche Gemeinde, die wahrscheinlich von Johannes gegründet wurde.
Auch der Apostel Petrus schrieb seinen ersten Brief an die verfolgten Christen in Anatolien.
Der Apostel Johannes ist in Selçuk bei Ephesus begraben . Über der Grabstätte war eine kleine Kirche errichtet worden, danach von Kaiser Justinian eine grosse Basilika.
Es wird vermutet, dass Johannes mit Maria nach Ephesos geflüchtet ist, von dort im Jahr 48 nach Jerusalem gegangen und im Jahre 67 wieder nach Ephesos zurückgekehrt und dort gestorben ist. Johannes „Geheimen Offenbarung“ war an die sieben Gemeinden Anatoliens gerichtet, die er als „Sieben Engel, sieben Sterne, sieben Leuchter“ bezeichnete.

Diese „Sieben Kirchen“ genannten frühchristlichen Gemeinden waren auf westanatolischem Boden und befanden sich in folgenden Städten:broad_overview_of_geography_relevant_to_paul_of_tarsus

  1. Ephesos bei Selcuk, im römischen Reich die Hauptstadt der Provinz Asia, der heutigen Provinz Aydın
  2. Izmir, das alte Smyrna, als reiche Handelsstadt berühmt
  3. Alaşehir (früher das alte Philadelphia), eine Kreisstadt in der heutigen Provinz Manisa.
  4. Bergama (das alte Pergamon, damals die Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs ).
  5. Akhisar (Thyateria), bei Manisa.
  6. Laodikeia, im 3. Jh. v. Chr. gegründet, nur 6 km entfernt vom jetzigen Denizli bei dem Dorf Eski Hisar.
  7. Sardes nahe bei Salihli bei Manisa, dies war die Hauptstadt des alten Lydischen Königreiches.

Die Wiege des Christentums liegt also in der heutigen Türkei, die damals Teil des römischen Reiches war und viele wichtigen Ereignisse, die Grundlage des christlichen Glaubens sind, fanden auf türkischem, damals römischen Boden statt. Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung für alle Christen und vielleicht sollten wir uns gerade in dieser Zeit auch daran erinnern, wo alles angefangen hat. Ich wünsche Ihnen einen besinnliche Zeit!
Marina Bütün
Ortaca – Muğla


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