Wer solche “Freunde” hat….

Jeder, der an der Türkischen Riviera (oder irgendwo sonst in der Türkei, wahrscheinlich) lebt, hat schon einmal so seine Erfahrungen mit einem ganz speziellen Berufsstand gemacht, der – glaubt man dessen Ausführungen – absolut vertrauenswürdig und seriös sein will… oft aber das genaue Gegenteil ist. Die Rede ist vom “Berufsfreund”.

Nein, nicht was Sie jetzt denken! Es handelt sich hier um einen ganz speziellen Beruf, den man in den allermeisten Fällen voll bekleidet und in aller sittlichen “Ehrenhaftigkeit” ausübt… glaubt man seinen oder ihren Beteuerungen. Hat dieser spezielle Vertreter der Tourismusbranche doch ausschließlich das Beste für Sie im Sinne, natürlich nicht, ohne vor all den anderen bösen Haifischen im Ausländerbecken zu warnen. Der Berufsfreund kann in den verschiedensten Branchen ansässig sein – auf der Bank, im Restaurant, im Taxi, als Dolmetscher oder im Maklergewerbe.

Er lässt sich leicht ausmachen – er oder sie spricht hervorragend die Sprache des neuen Freundes, meist Deutsch oder Englisch. Und er lebt nach seinen Angaben von Luft und Liebe, denn seine Dienstleistungen bietet er natürlich aus reiner Philantrophie zu absoluten Dumpingpreisen an! An den schnöden Mammon oder auch nur an so etwas Profanes wie Lebensunterhalt denken natürlich nur alle anderen. Und die anderen, DAS sind natürlich die Bösen, die Abzocker, die Betrüger und Egoisten, die nur eines im Sinne haben: nämlich den neuen deutschen Freund, idealerweise erst vor kurzem in der Türkei aufgeschlagen und mit reichlichen Mitteln versehen, bis aufs Hemd auszuziehen (bevor man selbst dazu die Gelegenheit bekam).

Der Neu-Alanyaner oder -Manavgater, -Antalyaner oder -Bodrumer, sprich Neutürke, ist natürlich erst einmal erleichtert, dass er ausgerechnet das Glück hatte, an den einzigen ehrlichen und nicht kommerziell denkenden Dienstleister in der gesamten Region geraten zu sein, was dieser oder jene natürlich nicht müde wird, zu betonen. Das kann viele Ausprägungen haben…

Da gibt es den Makler, der für “den Freund” die Wohnung verkaufen soll und ihm dann in einem vertraulichen Gespräch mitteilt, dass der Preis, den der Freund haben möchte, viel zu hoch ist – man solle doch noch so etwa 5000 Euro runtergehen, dann habe man noch Verhandlungsspielraum. Was nicht gesagt wurde: der Makler hat schon längst einen Käufer zum alten Preis und streicht die 5000 Euro, die der Verkäufer auf Anraten des “Profis” nachgelassen hat, als zusätzliche Provision ein. Oder der (andere) Makler, der dem verängstigten Hauseigentümer erzählt, dass durch die politische Lage der Immobilienmarkt völlig zusammengebrochen sei und Ausländer sowieso in Kürze enteignet würden, man könne aber – aus rein freundschaftlichen Gründen, versteht sich – dem Freund die Wohnung zu „einem akzeptablen Preis“ (weit unter Marktwert) abkaufen.

Dann gibts auch noch den türkischen Nachbarn, der sich ganz uneigennützig um den Verkauf des Mobiliars kümmern will, weil man wegen schwerer Krankheit zurück muss – leider, leider sprangen dann beim Verkauf der funkelnagelneuen Wohnungseinrichtung (mit TV, Elektrogeräten und mehr) nur 1.500 TL raus.

Oder der Übersetzer, der zu einem Anwaltstermin gerufen wird, bei dem es um Immobilienbetrug geht und der den Kunden nicht nur per Pauschalvertrag vorab Hunderte von Euro aus den Rippen leiert, sondern dem Ehepaar dann gleich anschliessend einige “ganz wunderbare, günstige Villen” zum Kauf anbietet…

Ein Dolmetscher, der unermüdlich und nahezu hysterisch vor allen anderen Dolmetschern warnt, seine eigenen (oft fehlerhaften) Übersetzungen zu Dumpingpreisen anbietet und nicht davor zurückschreckt, Deutsche, die mit einem anderen Dolmetscher beim Notar sind, anzusprechen und seine Dienste anzubieten… Ganz zu schweigen von denen, die ihre Dienste als “Berater” bei Behördengängen teilweise wirklich zu völlig überzogenen Preisen anbieten und dann unter anderem nicht in der Lage sind, bei einer Antragstellung die richtige Passnummer oder das richtige Geburtsjahr abzuschreiben.

All diesen “Spezialisten” ist eines gemein: Sie müssen auch ihren Lebensunterhalt bestreiten, wie wir alle – doch entweder fehlen die fachlichen Qualitäten oder schlichtweg die entsprechenden Charaktereigenschaften, ihr Metier zu einem angemessenen Preis zuverlässig zu erledigen. Um das zu verschleiern, neigen sie dazu, die “Konkurrenz” (sei sie auch nur eingebildete Kokurrenz) in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen. Natürlich werden alle diese Aktionen unter – malt mit der dringenden Warnung vor allen anderen Kollegen, gern auch ausgeweitet auf völlig andere Branchen – alles Betrüger, Abzocker, Schmeichler und vieeel zu teuer und man soll auf keinen Fall jemandem vertrauen – ausser dem Freund selbst.

Ganz davon abgesehen, dass gute Leistung nun mal ihren Preis hat, wirft das nicht ein fragwürdiges Licht auf das Weltbild einer Person, die, um ihr Geschäft voranzubringen, darauf angewiesen ist, Kampfpreise bieten zu müssen und alle anderen in ein schlechtes Licht zu setzen? Manchem möchte man dann gerne sagen: man sollte nicht von sich selbst auf andere schliessen. Oft trauen nämlich diese Herrschaften anderen genau das zu, wozu man selbst in der Lage wäre….

Und man möchte ihnen erklären, dass sie mit ihrer Art, Panik zu schüren, die Türkei im allgemeinen und Alanya im besonderen in ein sehr schlechtes Licht setzen – und sich damit letzt – endlich selbst schaden.

…wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.


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Über Martina Yaman 11 Artikel
Seit Mai 2001 lebe ich in Alanya, verheiratet und Mama von 2 kleinen Monstern (nein, im Ernst:, von 2 tollen Kindern, Selimhan und Selin). Neben der Familie beschäftige ich mich hauptsächlich damit, die Webseite des Türkis Magazins zu administrieren, etwas im Geschäft meines Mannes (Autovermietung und Reisebüro) mitzumischen und wenn dann noch Zeit ist, zu fotografieren und mein grosses Hobby, die traditionelle Ebru-Kunst ("Papier marmorieren") zu betreiben. Meine Gedanken und Bilder finden Sie hier....

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