Kurban Bayram – der höchste Feiertag im islamischen Kalender

Das islamische Opferfest hat heute, am 01. September 2017 begonnen und dauert noch bis Montag, den 04. September…. Mitten in der Saison bedeutet das für die meisten nur eins: viel, viel Arbeit. Hoffentlich. Auch in diesem Jahr wurden mehrere Tage als bewegliche Ferientage frei gegeben, da der gesetzliche Feiertag ZAFER BAYRAMI unmittelbar davor gelegen hatte. Dieses Jahr sieht man auch noch nicht so sehr viele Schafe oder Ziegen, die zum Schlachten oft schon lange vorher gekauft werden. Dennoch sieht man auch in der Stadt vereinzelt die Tiere, auch wenn seit wenigen Jahren das Schlachten im eigenen Garten verboten ist, es sei denn, man hat die Möglichkeit zur Entsorgung des Blutes und einen zertifizierten Metzger bestellt.

Dass dieses Gesetz besonders im ländlichen Raum oder ärmeren Stadtteilen nicht besonders viel gilt, kann man nach dem ersten Tag des Festes, an dessen Morgen traditionell geschlachtet wird, in den Nachrichten bewundern: Tiere, die mit ihrer Opferrolle ganz und gar nicht einverstanden sind und ausbüxen oder „Möchtegern-Metzger“ die mit stumpfen Messern statt in den Hals des Tieres ins eigene Bein hacken.
In vielen Städten, auch in Alanya, darf nur noch an speziellen Schlachtplätzen geschlachtet werden und auch nur von denen, die über das entsprechende Zertifikat verfügen. Dort werden auch Innereien und Blut entsorgt sowie die Felle der Opfertiere gesammelt, um sie einem guten Zweck zuzuführen.

Man muss es auch immer wieder betonen: Nicht nur Hygiene und körperliche Unversehrtheit des Schlachtenden spielen bei dieser Regelung eine Rolle, sondern tatsächlich auch der Tierschutz: wird der Schnitt sachgerecht mit einem guten Messer durchgeführt, ist diese Methode keinesfalls grausamer als die Schlachtung in einer Massentierhaltung oder bei einer Hausschlachtung. Wie ich als „Landkind“ oft miterlebt habe, ist eine unsachgemäße Hausschlachtung auch mit keinerlei Tierschutzgedanken zu vereinbaren und schlimmer als jedes sachgerechte Schächten.
Das eigene Schlachten geht aber ohnehin auch in der Türkei immer weiter zurück, ist doch gerade bei großen Tieren das Zerteilen Schwerstarbeit. Viele Supermärkte wie Tansas, Real, Migros oder Metro bieten daher einen „Kurban Servis“ an: man bestellt ein Schlachttier in der gewünschten Größe und erhält es sauber zerlegt und vakkumiert in einem Karton nach Hause geliefert, zusammen mit einem Zertifikat, dass die islamischen Vorschriften eingehalten wurden. Man kann das Paket sogar gleich – auf Wunsch auch anonym – an die zugedachten Empfänger schicken lassen – gut sein leicht gemacht.

Im Zentrum steht die Geste des Gebens
Jedes erwachsene Familienmitglied, das wirtschaftlich dazu in der Lage ist, sollte am ersten oder zweiten Tag des Festes ein Tier, Schaf oder Kalb, als Opfer schlachten lassen. Das Fleisch des Tieres soll in drei Teile aufgeteilt werden und sowohl den Familienangehörigen als auch den Verwandten und Nachbarn und dann den Bedürftigen zukommen. Interessant ist, dass die Scharia, das islamische Religionsgesetz, ausdrücklich darauf hinweist, dass der Anteil des Nachbarn auch an einen christlichen oder jüdischen Nachbarn weitergegeben werden kann. Ach ja: wenn Sie Ihren türkischen Nachbarn oder Freunden Glückwünsche zukommen lassen wollen, haben Sie die Wahl: Das eher lockere „İyi Bayramlar“ (einfach „Schöne Feiertage“ – kann man auch vor dem Fest sagen. wenn man die betreffende Person nicht mehr sieht) das formellere „Bayramın Kutlu olsun“ oder das ganz formelle „Bayramınız mübarek olsun“.


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