Tüte adé – das Ende der Plastiktüte in der Türkei

Schrittweise Abschaffung bis 2022 geplant

Dem verschwenderischen Umgang mit Plastiktüten wird ein Ende gesetzt. Sie werden zwar nicht komplett verboten, aber in Zukunft nicht mehr kostenlos und massenweise an den Kassen ausgegeben werden.  Ursprünglich sollte das Verbot bereits ab 2018 greifen, aber nach massiven Protesten der “Plastiktütenindustrie” wurde das Gesetz nun modifiziert und die Türken haben noch bis 2022 Zeit, sich an den Gedanken einer wiederverwendbaren Einkaufstasche zu gewöhnen. 

Die Änderungen, die vom Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung im Zuge der Harmonisierung mit den EU-Richtlinien eingeführt werden sollten, haben zu erbitterten Debatten geführt.  Schliesslich geht es um einen Geschäftszweig mit einem Volumen von ca 1,5 Milliarden Dollar.

Nach dem Willen des Ministeriums sollten “leichte” Einmalplastiktüten ab 01.01.2019 nur noch kostenpflichtig abgegeben werden dürfen. Derzeit werden in der Türkei jährlich etwa 200.000 Tonnen Plastiktüten produziert, zählt man noch andere Verpackungen wie Kleiderbeutel, Versandmaterial aus Plastik oder industrielle Verpackungen hinzu, steigt diese Zahl auf ca 510.000 Tonnen Plastikverpackungen – jedes Jahr.
Der gesamte Sektor der flexiblen Verpackungen hat nach Angaben des Ministeriums ein Volumen von 5 Milliarden Dollar pro Jahr. Insgesamt wurden im letzten Jahr 82.000 Tonnen exportiert und 6.000 Tonnen importiert. Die Exporte hatten ein Volumen von 226 Mio Dollar.  Bei dem Verbot der kostenlosen Abgabe der Plastiktüten in Supermärkten und Geschäften wird also nicht gerade eine Nischenbranche betroffen, entsprechend massiv war auch der Widerstand gegen das geplante Verbot.

Schon im Vorfeld war verkündet worden, dass man von dem Datum 01.01.2018 und einem kompletten Verbot abgekommen sei, stattdessen müssten ab 01.01.2019 Plastiktüten in Supermärkten und Geschäften (offene Basare sind demnach nicht betroffen) kostenpflichtig abgegeben werden.

Aus dem Ministerium hiess es weiter, dass man das Verbot sensibel handhaben müsse, da es auch eine Industrie und damit Arbeitsplätze und Investitionen betreffe. Man rechne mit einer Verringerung der Menge an Plastiktüten um 60%.  Bis zu den Jahren 2021-2022 wolle man die Plastiktüten mehr oder weniger abschaffen und die betroffenen Betriebe durch Unterstützung und Weiterbildung vor grösseren Verlusten bewahren.

Dem Vorsitzenden der Vereinigung der Kunststoffverpackungshersteller (PAGDER) Reha Gür, ist gegen eine entsprechende Regelung. Begrenzungen und Verbote seien der falsche Weg, vielmehr solle man eine Sensibilisierung der Verbraucher durch Informationskampagnen anstreben. Wenn die Tüten kostenpflichtig würden, würden die Käufer versuchen, viel zu viel in zu wenige Tüten zu packen, diese könnten dann reissen und zu Ärger in den Geschäften führen, führte Gür seine Ablehnung weiter aus.  Viel wichtiger sei es, Abfälle zu trennen und wiederzuverwerten.
Nach seiner Ansicht würde es zu keiner Verringerung des Verbrauchs an Plastiktüten führen, wenn diese kostenpflichtig würden. Vielmehr würden die Verbraucher sie dann kaufen und zu anderen Zwecken nutzen. Es wäre wesentlich sinnvoller “umweltfreundliche” Plastiktüten anzubieten.

Die Großmarktkette METRO bietet schon seit geraumer Zeit große und stabile Plastiktüten zum Preis von 15 Kuruş (derzeit ca 3 Cent) an. Für 2 TL kann man hier auch stabile Einkaufstaschen aus wiederverwerteten PET-Flaschen erwerben.

 

 


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