Türkeiurlaub 2020 neu denken

ein Ausblick, wie sich der Tourismus in der Türkei nach - oder eher mit - Corona entwickeln könnte

Seit Anfang des Jahres ist nichts mehr, wie es war. Das neuartige Coronavirus SARS-COV 2 hält die Welt in Atem und hat dafür gesorgt, dass der Tourismus weltweit zum völligen Erliegen gekommen ist. In keiner Branche hat die Pandemie stärkere Auswirkungen als in der Reisebranche – Millionen Menschen stehen ohne Arbeit da und wie es wirklich weitergeht, weiss derzeit noch keiner. Die Türkei hat inzwischen detaillierte Pläne veröffentlicht, wie sich der Tourismus in Zeiten der Pandemie entwickeln könnte. Neben den Gefahren und Schäden ist es aber auch eine Chance, seit Jahren überfällige Veränderungen nun umzusetzen. 

Das Ende von all inclusive?

Für sehr viele Urlauber, insbesondere Familien mit Kindern, ist die Türkei als Reiseziel vor allem wegen des hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses und des überall üblichen All-inclusive-Systems attraktiv – selbst Stadthotels mit 3 Sternen glauben inzwischen, nicht mehr um das AI-System herumzukommen. Allerdings ist der große Nachteil dieses Systems, dass die Urlauber immer weniger das Hotelgelände verlassen und die Städte, die wie Alanya und Side eine jahrzehntelang gewachsene Infrastruktur für Individualtouristen hatten, veröden. Bars, Restaurants und zunehmend auch Shops und Reiseanbieter geben auf, weil sie gegen die Konkurrenz in den Hotelanlagen nicht mehr ankommen. Wenn dadurch die Attraktivität der umliegenden Zentren sinkt, gibt es noch weniger Grund, das Hotel zu verlassen. Örtliche Anbieter reagieren mit Preissenkungen, die wiederum auf Kosten der Qualität (und bei Tour- oder Mietwagenanbietern oft auch auf Kosten der Sicherheit) gehen… ein Teufelskreis.

Solche Bilder – hier die feierliche Eröffnung der Seilbahn in Alanya – sind erst mal Vergangenheit.

Reiseleiter verdienen inzwischen einen nicht unerheblichen Teil ihres Gehalts durch Provisionen, wenn sie im Hotel Reisen, Mietwagen oder Artikel vermitteln, die früher “draussen” eingekauft oder gebucht wurden. Insbesondere Urlauber, die zum ersten Mal in die Türkei reisen, werden hier oftmals mit unbegründeten Warnungen verunsichert, um sie auf dem Hotelgelände zu halten.  Ein weiterer großer Negativpunkt ist das Überangebot an Speisen (im Sommer auch besonders leicht verderblichen) bei den beliebten Buffets. Das Problem ist nicht nur, dass “das Auge mit isst” und daher immer für volle Schüsseln bis zum Schluss der Essenszeiten gesorgt werden muss. Viele Touristen beklagen, dass sich die Teller übermässig vollgepackt werden und anschließend eine Menge Lebensmittel weggeworfen werden.

Selbstbedienung – wird es so nicht mehr geben

Das wird sich nun durch Corona ändern – das All inclusive System ist damit hoffentlich ein Auslaufmodell…. wie es schon bei Getränken üblich ist – die man sich ja in der Regel auch nicht selbst einschenkt – wird es keine Selbstbedienung beim Essen mehr geben. Buffets ja, aber das Essen wird von Personal angereicht. Damit steigt schon mal die Hemmschwelle, wenn die Augen größer sind als der Magen. Letztendlich wird sich das auch für die Hotels rechnen, da die Ausgaben für Lebensmittel sinken werden. Es wird weniger weggeworfen. Portionen lassen sich leichter planen als volle Schüsseln.

Keine organisierten Ausflüge

Für viele gehört es zum Türkeiausflug dazu: Jeepsafari, Bootstour und andere Touren, wo man zumindest etwas von der Umgebung des Hotels kennenlernen kann. Durch die Regelung, dass gemeinschaftliche Fahrzeuge im öffentlichen Raum nur zu 50% ausgelastet werden dürfen und das Tragen einer Maske vorgeschrieben ist, werden viele Touranbieter gar nicht erst wieder anfangen (können). Auch Busreisen und Sammeltransfere dürfen nur mit 50% der ursprünglichen Kapazität besetzt werden.

Wer trotzdem nicht darauf verzichten will, von der Türkei etwas mehr kennen zu lernen als den Weg zwischen Zimmer, Hotelbar, Pool und Strand, dem stellen sich in diesem Sommer zwei Alternativen: private Touren im Minibus mit Fahrer (aufgrund der Regelung darf ein typischer 9+1 Bus dieses Jahr maximal mit 4 Personen plus Fahrer besetzt werden) oder ein Mietwagen. Der Verkehr wird sich aufgrund der zu erwartenden Urlauberzahlen in einem moderaten Rahmen halten und die für dieses Jahr geplante konzertierte Aktion zu mehr Verkehrssicherheit wird ihr übriges tun, damit man völlig unbedenklich Reisen mit dem Mietwagen innerhalb der Türkei unternehmen kann.

Wer das nicht möchte oder kann, kann auf das zuverlässige und günstige System der Fernbusreisen in der Türkei nutzen, um sicher und günstig von a nach b zu kommen. Ein dichtes Streckennetz und ein solider Fahrplan sorgen für einfache und komfortable Reisen.

Weg vom typischen Hotelaufenthalt – hin zu mehr Individualität

Die Vorschriften für die Hotels durch das Tourismusministerium sind weitreichend und werden sicherstellen, dass man seinen Türkeiurlaub problemlos und sicher verbringen kann. Der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hat inzwischen ein Zertifizierungsverfahren für den Türkei-Tourismus in Corona-Zeiten geschaffen. Unter anderem soll dazu ein Zertifizierungsverfahren des TÜV Süd zum Tragen kommen, der bereits seit Jahren den Fahrzeug-TÜV in der Türkei betreibt (was die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge zweifellos sehr erhöht hat)  Das Zertifizierungsverfahren umfasst, zusammenfassend gesagt, u.A. Urlaubsaufenthalte in Covid-freien Bereichen der Türkei, sowie Maßnahmen “in Bezug auf Transport, Unterbringung und den Gesundheitszustand des Personals und der Gäste.

Das Wasser unmittelbar neben dem stark frequentierten Hafen von Alanya – kristallklar

Dennoch ist es für den einen oder anderen nicht wirklich ein “Urlaub” wenn er ständig von maskentragenden Gestalten in Schutzkleidung umgeben ist, die alles desinfizieren. Je grösser die Anlage und je höher die Bettenzahl, desto grösser ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Gästen vielleicht doch ein Erkrankter befindet. Vielleicht ist das dieses Jahr der Wendepunkt zu mehr individualität, zu kleineren Häusern und zu einem anderen Urlaub? Auch in Antalya Stadt gibt es etliche kleine Hotels und Pensionen, die den hohen Sicherheitsanforderungen gerecht werden können, ebenso in Alanya, Side, Kemer, Olympos oder im meernahen Landesinneren mit dem wunderschönen Salda- oder Eğirdir-See, den Bergen und Canyons im Taurus. Die historischen Stätten und Naturdenkmäler (Kappadokien, Canyons, Saldasee etc) sollen am 01.06.2020 ihre Pforten öffnen.

Der “Maledivenstrand” am Salda see – in den letzten 2 Jahren keine Chance, so ein Foto zu machen…

Einmalige Chance für Fotografen

Wer sich mit Fotografie beschäftigt, weiß dass insbesondere in der Natur viele Besucher das Motiv verderben – das dürfte dieses Jahr eher nicht der Fall sein. Der Tourismusminister betonte in einem Interview, dass man die Saison 2020 als Erfolg verbuchen könne, wenn man eine Auslastung von 50% erreichen würde. Der Traum jedes Fotografen – menschenleere Ruinen und Natur – dürfte sich damit in diesem Jahr auf alle Fälle eher verwirklichen lassen als in anderen Jahren. Auch jetzt kann man schon traumhafte Motive finden, da die Luft wesentlich sauberer und das Meer vielerorten kristallklar ist.

Pandemie im Griff

Die in Ankara veröffentlichten Infektionszahlen gehen seit geraumer Zeit deutlich zurück. Immer wieder hat es in zahlreichen Provinzen umfassende Ausgangssperren gegeben. Die Türken sind beim Maskentragen wesentlich konsequenter als viele Bürger der EU, in 23 Provinzen (nicht in Antalya) gilt die allgemeine Pflicht, im öffentlichen Raum Masken zu tragen. Handschuhe und ständige Desinfektion in Hotels und öffentlichen sanitären Anlagen sind schon lange verbreiteter Standard.  Die Schulen sind seit dem 13. März geschlossen und sollen voraussichtlich auch erst am 24. August wieder öffnen, zudem haben noch bis zum 27. Mai alle Personen unter 20 Jahren und über 65 Jahren eine strikte Ausgangssperre.  Das Gesundheitssystem wurde unter der Regierung Erdogan in den letzten Jahren modernisiert und ist besser aufgestellt als viele europäische Staaten. Die Behandlung von COVID-19 Patienten wird komplett vom Staat getragen – auch im Falle, dass es einen ausländischen Urlauber “erwischt”.  Die Stadt Alanya hat seit mehreren Wochen keine Neuinfektion zu verzeichnen, in Antalya wurden gerade einige Strassenzüge in einem sozialen Brennpunkt unter strikte Quarantäne gestellt.  Auch Side und Manavgat haben kaum Neuninfektionen zu verzeichen. Vor diesem Hintergrund macht es auch keinen Sinn, Urlauber, die aus der Türkei zurückkehren, in Quarantäne zu schicken.

Die Kure ist seit mehreren Tagen deutlich abgeflacht

Türkische Corona App schon in Benutzung

Die türkische “Corona-App”, die auf anonymes Tracking via Bluetooth Technologie setzt, ist bereits aktiv. Anders als GPS oder die Sammlung von Funkzellendaten ist sie mit dem Schutz der Privatsphäre vereinbar, denn sie erlaubt keine Rückschlüsse über den genauen Standort einer Person – und damit auch keine Überwachung von Bewegungsmustern der Menschen. Die Nutzung ist freiwillig.

 


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