Afyonkarahisar – immer (wieder) eine Reise wert!

Auch 2024 haben wir es endlich einmal wieder geschafft, nach Afyon zu den heißen Quellen zu fahren – dieses Mal war es aufgrund durchgehenden Schmuddelwetters eine Herausforderung, ansprechende Bilder zu schießen. Aber ich denke, das ist mir auch dieses Mal gelungen…

Zunächst einmal eine “Warnung”: Afyon liegt “in the middle of nowhere” und ist zunächst einmal von Landwirtschaft und einer sehr konservativen Lebensweise geprägt. Dafür sind die Menschen sehr freundlich und immer auf ein Schwätzchen aus, was das Shopping nicht nur wegen der viel moderateren Preise (natürlich mit Ausnahme der Shoppingmalls, wo grösstenteils Ketten angesiedelt sind) sehr angenehm macht. Wenn man hier beäugt wird, dann nur weil man ausländische Reisende eher eine Kuriosität ist als eine potentielle Melkkuh…

Einkaufen kann man hier vor allem regionale Spzialitäten wie Sucuk, Pastirma, Käse, Kaymak (Büffelsahne) und Lokum. Ausserdem Haushaltswaren (Töpfe werden nach Gewicht verkauft), und auch “antiker Krempel” (VORSICHT: NICHT AUSFÜHREN!!!) oder Schuhe. Auch Gold und Silber wird traditionell einfach gewogen. Billgi ist es aber auch nicht mehr wirklich.

Die Strasse der Goldschmiede – etwas weiter unten nach rechts findet man einen sehr guten Köfteci.
Hier kauft man das berühmte Lokum mit einem Kern aus fetter Büffelsahne – egal wann, es ist immer eine Schlange vor dem Laden.
Typische Mitbringsel aus Afyon sind vor allem tierische Lebensmittel: Sucuk, Pastirma (Rinderschinken), Butter, Käse, Kaymak (dicke Sahne) und Lokum.
Butter in Wurstform und Käse in Ziegenhaut eingenäht (Deri peynir)

Albern könnte man sagen: Afyonkarahisar ist “Türkeiurlaub für Fortgeschrittene” – denn mit Alanya, Side oder Antalya kann man die Region nicht im Geringsten vergleichen. Es ist etwas für Leute die sich für die ursprüngliche Türkei interessieren und auch mal Fünfe grade sein lassen können. Seinen Charme zeigt der Ort erst auf den zweiten Blick (es sei denn, man hat das Glück dass es dick verschneit ist, dann ist es wirklich zauberhaft.)


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Mehr über die Geschichte der Stadt, des imposanten Burgbergs und der Region finden Sie hier in meinem Reisebericht von 2021: Winterreise nach Afyon 2021

Es hat sich inzwischen baulich recht viel getan, besonders das Dorf Ayazini im Phyrgischen Tal ist nun fix und fertig restauriert und bietet (bei unserem Besuch leider weitgehend geschlossene) Restaurants, Geschäfte und Cafés an. Auch einige urige kleine Hotels bietet der Ort, allerdings zu recht stolzen Preisen. Leider hatten wir auch hier keine Gelegenheit, das Innere zu sehen.

Neben Afyon befinden sich die meisten (günstigeren) Hotels und insbesondere Wohnungen oder Häuser mit eigenem Thermalpool in Gazlıgöl etwa 30 km von Afyonkarahisar entfernt. Der Ort selbst ist kaum sehenswert und hat keine Attraktionen oder empfehlenswerte Restaurants zu bieten. Die Unterkunft die wir über das Internet gefunden hatten (Blockhäuser mit kleinem Garten) sah auf den Bildern zwar ganz nett aus, hatte aber schon wesentlich besser Tage gesehen. Aber es war sauber und warm, mehr braucht man eigentlich nicht für ein paar Tage….

Einen weiteren Punkt haben wir bei unserem dritten Besuch geschafft, nämlich die beiden bekanntesten Moscheen zu besuchen: die große Ulucami mit ihrem eher unscheinbaren Äusseren und dem hervorragend erhaltenen Innenleben aus Holz und die große Gedik Ahmet Pasa Imaret Moschee im Zentrum.

Ulucami Moschee 

Die Ulu-Moschee, eine der größten Moscheen von Afyonkarahisar, wurde 1272 von Afyon Sanjak Bey Nasredüddin Hasan, dem Sohn des seldschukischen Wesirs Sahibi Ata Fahrettin Ali, während der anatolischen Seldschukenzeit (1272–1277) erbaut. Sie weist die Merkmale von geschnittenem Stein, glasierten Ziegeln und einer flachen Decke auf, die Merkmale der Architektur der Seldschukenzeit sind. Das Innere ist vollständig aus Holz gefertigt, ohne dass Nägel verwendet wurden. Sie wird auch „Vierzig-Pfosten-Moschee“ genannt, da sie auf 40 Holzpfählen, jeweils aus einem einzigen Baumstamm gefertigt, in fünf Reihen errichtet ist.


Die hölzernen Säulenkapitelle sind mit Stalaktiten und Rauten verziert, acht davon sind mit Schnitzereien verziert, die meisten dieser Verzierungen sind jedoch abgenutzt und etwas schwer zu erkennen. Die Moschee hat einen querrechteckigen Grundriss und ist leicht schief.  Die zweiflügelige Holztür der Holzkanzel weist die Verarbeitungsmerkmale der Seldschukenzeit auf und ist im Originalzustand. Die Ulu-Moschee hat ein einziges Minarett. Das Minarett besteht aus Ziegeln, zwischen den Ziegeln sind grün glasierte Ziegel angeordnet, die ein Rautenmuster bilden. Unter dem Balkon wurden zwei grün glasierte Ziegel angebracht. Der Balkon der Moschee ist durch nach außen gerichtete Ziegelsteine ​​dekoriert, die ein Dreieck bilden.

Die Ulu-Moschee, die als eines der schönsten Beispiele seldschukischer Holzverarbeitung aus dem 13. Jahrhundert gilt, bildet die Gruppe der Holzsäulenmoscheen und nimmt unter den Ulu-Moscheetypen in Anatolien einen besonderen Platz ein. Was das Gebäude jedoch einzigartig macht, ist, dass es als das erste Beispiel dieser Art von Moschee in Anatolien gilt. Die Moschee, die in unserer Zeit unter Beibehaltung ihrer alten Form renoviert wurde, ist mit ihrer Holzarchitektur und dem rautenförmigen Backsteinminarett mit grün glasierten Ziegeln eines der einzigartigen Beispiele der Seldschukenzeit. Die Ulu-Moschee steht seit dem 01.06.2018 auf der vorläufigen Liste der türkischen Kulturgüter auf der vorläufigen Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Dieses kleine Häuschen beherbergt ein Café und ein privates Museum

Gegenüber von der Moschee befindet sich ein kleines, verwinkeltes und uriges Café, das der Besitzer in ein Mini-Museum umgewandelt hat. Es ist alles sehr einfach, aber liebevoll dekoriert und wert, die Bemühungen mit einer Kaffeepause (der Kaffee war übrigens hervorragend) und dem Kauf von ein paar Souvenirs zu “sponsern”

Gedik Ahmet Paşa Moschee
Die Gedik-Ahmet-Pascha-Moschee ist in der Öffentlichkeit besser als Imaret-Moschee bekannt, da die Moschee in Form eines Sozialkomplexes zur Unterstützung der Armen eingerichtet wurde und dessen Kosten von der Stiftung gedeckt werden, der sie angeschlossen ist.

Die Moschee, die vom Architekten Ayaz Ağa im Jahr 1472 von Gedik Ahmet Pascha erbaut wurde, ist zusammen mit ihrem Bad und ihrer Madrasa (Schule) bis heute erhalten geblieben ist eines der wichtigsten Gründungswerke von Afyonkarahisar.  Die Innenmuster der Moschee sind mit handgezeichneten Schriften und geometrischen Mustern verziert. Die zweiflügelige geschnitzte Holztür ist ein sehr seltenes und herausragendes Beispiel.

Die Rillen des geriffelten Burma-Minaretts mit einem Balkon sind mit dunkelblauen Ziegeln verziert. Die Imaret-Moschee wurde als sozialer Komplex erbaut und umfasste eine Madrasa (Schule), ein Badehaus und eine Suppenküche.  Der historische Hamam neben der Moschee ist weiterhin in Betrieb.
Während des Unabhängigkeitskrieges wurde die Moschee von den Griechen besetzt und als Gefängnis genutzt.

Der imposante Eingang im typisch seldschukischen Stil
Hier gibts ein Bild von der Tür aus – es war gerade Gebetszeit und da sollte man die Betenden nicht durch Herumlaufen und Fotografieren stören

Taşhan – eine historische Karawanserei wird zu neuem Leben erweckt

Einen Besuch (oder zwei oder drei…) ist auch der historische “Taşhan” wert, der in seinem Inneren eine interessante Mischung aus Teehaus, Restaurant im überdachten Innenraum und Krimskrams-, Antiquitäten- sowie Handwerksläden in der oberen und unteren Galerie beherbergt. Hier kann man den Mann bei einem Glas Tee abstellen und in Ruhe stöbern 😉

So sah er vor der Restauration aus….
….. und so aktuell nach Abschluss der Arbeiten

Es befindet sich im Zentrum von Afyonkarahisar, Bezirk Umurbey, Yemeniciler-Basar. Das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde Mitte des Jahrhunderts von Kadi Abdullah Efendi mit quadratischem Grundriss und zwei Stockwerken mit Beiträgen jemenitischer Handwerker erbaut. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein offener Innenhof. Im Inneren öffnen sich die Räume zum Innenhof. Der Mittelbogen an der Südwand des Erdgeschosses wurde später durch eine Doppeltür mit Dreiecksgiebel verschlossen. Im zweiten Stock gibt es Portiken in vier Richtungen. Die Räume im zweiten Stock öffnen sich zu diesen Portiken. Die Portiken haben Ziegelrippen und Spitzbögen. In südöstlicher Richtung entstanden kleine Läden, im Südwesten und Nordwesten angrenzende Läden.

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Das Phyrgische Tal
Im türkischen heisst es Frig Vadisi und erinnert an Kappadokien, auch hier gibt es Feenkamine und Felsenwohnungen. Leider ist vieles lange Zeit nicht beachtet und gepflegt worden – natürlich ist es kein Vergleich mit den imposanten natürlichen und von Menschenhand geschaffenen Monumenten in Kappadokien, dafür ist es ruhiger, einsamer und irgendwie uriger. Die Restauration, über die ich in meinem Reisebericht von  2021 geschrieben habe, ist inzwischen abgeschlossen. Alles in allem ist das Tal auch im Winter sehenswert, aber wenn kein Schnee liegt, doch alles ein bisschen trostlos…. im Sommer ist es aber bestimmt wunderbar, besonders im Juni, wenn der Mohn blüht. Auch der Emre See war bis auf ein paar Vögel eher verlassen. Hier habe ich ausführlich über das Tal geschrieben: Winterreise nach Afyon 2021

Unterkünfte
Wir waren wie schon beim letzten Mal in einer “Villen”anlage, wobei hier alles, was keine Wohnung ist, sondern ein Haus (oder Häuschen) eben Villa heisst. Der Vorteil ist einerseits der Preis, andererseits hat man in diesen Unterkünften fast immer einen Hamam und einen eigenen Thermalpool zur Verfügung. Unsere Unterkunft dieses Mal möchte ich nicht unbedingt weiterempfehlen – mehr als das sie billig, warm und sauber war, konnte man nichts weiter positives dazu sagen. Unsere Unterkunft 2021 ist nach wie vor empfehlenswert, aber die Preise haben leider sehr stark angezogen. Dafür ist es sehr gepflegt und aufgrund der Lage (8 km von Afyon Zentrum und wenige km vom Afium Shoppingcenter entfernt) ein guter Ausgangspunkt für Unternehmungen. https://dundartermal.com/ 

Das bekannteste Hotel in der Region ist ohne Zweifel das Oruçoğlu Termal, das auch medizinische Anwendungen bietet. Weitere bekannte Häuser sind das NG Termal, Safran (in Sandıklı leider auch ziemlich ab vom Schuss) Ikbal Termal (direkt am sehenswerten Shoppingcenter Afium gelegen) und das Korel Termal.
Mit Kindern würde ich wohl eher ein Hotel wählen, weil die Hotels eben auch Pools und Rutschen haben. Ansonsten ziehen wir persönlich die Möglichkeit, individuell und wie wir wollen einen eigenen Pool zu nutzen, auf jeden Fall vor.

Pflichtbesuch – Aşçı Bacaksız 
Das sehr unscheinbare und kleine Lokal ist ein “Muss” für Afyon-Besucher, man sagt wer hier nicht gegessen hat, war nicht in Afyon. Es gibt genau ein Gericht, und das seit über 180 Jahren: unglaublich zartes, in Fett gegartes (confiertes) Lammfleisch mit Reis und frischem Fladenbrot – und nein, es ist tatsächlich nicht fett, das Fett wird vor dem Servieren abgetupft. Es ist seit seiner Gründung in Familienbesitz, selbst die Tische sind noch aus dieser Zeit, wie der jüngste “Aşçı” stolz erzählt: original von 1840! Die typischen Bistrostühle stammen aus dem Jahr 1967. Huer gibts ein kleines Video über das Lokal:Visit Afyon auf instagram.

Zu guter Letzt:
eine Fotogalerie aus dem Phyrgischen Tal – Ayazini, Göynüş Tal (vom Auto aus) und der Emre See

 

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