Inflation in der Türkei steigt auf Rekordniveau

Die Inflation in der Türkei ist von 69,8 % auf 75,45 % im Mai weiter angestiegen, das meldet heute das türkische Statistikamt. Damit wurden die Erwartungen von Ökonomen übertroffen und die fast 80 % offizielle Inflationsrate vom Juni 2022 erreicht.  Laut der Aussage der türkischen Behörden soll damit aber der Zenit überschritten worden sein.

Dies wurde auch zu Jahresanfang vom türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek so vorausgesagt – allerdings nicht in dieser Höhe erwartet. Ob sich die Inflation auch auf dem Weg nach unten an die Prognosen hält und sich verlangsamt, werden die nächsten Monate zeigen. In der Regel entspannt sich der Inflationsdruck in den Sommermonaten. Ob das nachhaltig ist, wird sich dann ab Oktober/November zeigen. Man geht im Finanzministerium zum Jahresende von einer Inflation von unter 40 % aus – das wäre trotzdem noch eine der höchsten Inflationsraten weltweit.

Es gibt aber erste Anzeichen für einen nachlassenden Inflationsdruck. Ein wichtiger Indikator für das türkische verarbeitende Gewerbe ist unter die 50er-Marke gefallen, die eine Expansion von einer Kontraktion trennt. Die Ökonomin Selva Bahar Baziki von Bloomberg Economics stellt dazu fest: „Die Inflationsdynamik rechtfertigt weitere Zinserhöhungen. Darüber hinaus sehen wir die Risiken für diese Aussichten durch übermäßige Steuererhöhungen und eine weitere Eskalation des Krieges im Nahen Osten als höher an. Wir glauben jedoch, dass die Zentralbank diese Risiken eher durch eine Straffung ihrer alternativen Instrumente in den Griff bekommen wird, als durch eine Erhöhung der Kreditkosten.“

Die Zuflüsse aus dem Ausland sind in letzter Zeit stark angestiegen. Lira-Anleihen haben im Mai eine Rekordsumme von 6,5 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital aufgenommen, während Aktien in Dollar gerechnet in diesem Jahr um 30 % gestiegen sind – eine der besten Aktienmarktentwicklungen der Welt. In Verbindung mit einer straffen Haushaltsdisziplin und das Fortführen der aktuellen Geldpolitik habe das Vertrauen der Anleger in die Türkei und die türkische Regierung weiter gestärkt, heißt es bei Marktstrategen in London.

Türkische Wirtschaft wächst im ersten Quartal aufgrund starker Inlandsnachfrage um 5,7 %
Die türkische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal erwartungsgemäß um 5,7 %, wie offizielle Daten am Freitag zeigten, angetrieben von einer starken Inlandsnachfrage. Das Wachstum dürfte sich im weiteren Jahresverlauf verlangsamen, da die aggressive Geldverknappung der Zentralbank angesichts der steigenden Inflation die Wirtschaftstätigkeit belastet.

OECD sieht geringere Inflationsraten in naher Zukunft

Derweil hat die OECD ihre Wachstumsprognose für die türkische Wirtschaft für 2024 nach oben korrigiert und prognostiziert eine durchschnittliche Inflation von 55,5 Prozent im Jahr 2024 und 28,9 Prozent im Jahr 2025. Im Februar schätzte die OECD, dass die türkische Wirtschaft im Jahr 2024 um 2,9 Prozent wachsen würde, und aktualisierte diese Prognose auf 3,4 Prozent. Sie behielt ihre Wachstumsprognose für 2025 bei 3,2 Prozent bei.

Die OECD prognostizierte außerdem, dass die durchschnittliche Inflation in der Türkei im Jahr 2024 55,5 Prozent und im Jahr 2025 28,9 Prozent betragen würde. Die Kerninflation wurde auf durchschnittlich 57,5 ​​Prozent und 28,7 Prozent im Jahr 2024 bzw. 2025 prognostiziert.

Der OECD-Bericht kam zu folgenden Einschätzungen für die Türkei:

„Die Verschärfung der finanziellen Bedingungen und die negativen Auswirkungen der Inflation auf die Kaufkraft werden den privaten Konsum reduzieren. Die Investitionstätigkeit wird voraussichtlich stark bleiben, was teilweise auf den laufenden Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 2023 zurückzuführen ist. Die Exporte werden allmählich zunehmen, was das sich verbessernde externe Umfeld widerspiegelt. Die Inflation hat Anfang dieses Jahres ihren Höhepunkt erreicht, wird aber 2024 und 2025 hoch bleiben.

Die Fiskalpolitik wird voraussichtlich kontraktiv sein, nachdem das Defizit im Jahr 2023 erheblich gestiegen ist, was zum großen Teil auch auf die erdbebenbedingten Ausgaben zurückzuführen ist. Die Geldpolitik ist zu Recht restriktiv geworden und der Leitzins ist seit Mai 2023 kumulativ um 41,5 Prozentpunkte gestiegen. Wenn die Inflation jedoch hoch bleibt, können weitere geld- und fiskalpolitische Straffungen erforderlich sein. Strukturreformen könnten die Bemühungen zur Stabilisierung der makroökonomischen Bedingungen unterstützen und das langfristige Wachstumspotenzial steigern. Insbesondere die Arbeitsmarktreform wird dazu beitragen, die Schaffung hochwertiger formeller Arbeitsplätze zu fördern.

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