Aktuelle Regelungen für die Beantragung des Ikamets

eine ausführliche Handreichung für Antragsteller

Derzeit sind unter anderem aufgrund des Kriegs in der Ukraine die Bedingungen sowohl für Antragsteller für eine Aufenthaltserlaubnis als auch für die Beamten in den Ausländerämtern mehr als angespannt. Neben dem Ansturm urkrainischer und russischer Menschen, die vor dem Krieg in die Türkei geflohen sind, tragen Gerüchte und falsche Informationen insbesondere auf Facebook dazu bei, die Menschen zu verunsichern. Gestern fand dazu im Großen Sitzungssaal der Stadtverwaltung Alanya eine Informationsveranstaltung statt, bei der neben Vertreter:innen aller ausländischen Vereine auch der Landrat Fatih Ürkmezer, Bürgermeister Adem Murat Yücel und der Chef der Ausländerbehörde Rifat Çetinkaya teilnahm. 

Aufgrund der zahlreichen Fälle der Verbreitung falscher Informationen in sozialen Medien zu Fragen der Erteilung der Aufenthaltserlaubnisse an ausländische Staatsbürger:innen hat der Migrationsdienst offiziell informiert:
Die Aufenthaltserlaubnis wird allen Antragsteller:innen unabhängig von der Nationalität erteilt, wenn alle Voraussetzungen vorliegen (Dazu weiter unten mehr, die Red.).
Der Gouverneur und der Bürgermeister von Alanya haben die Anwesenden auf die Bestrafung im Falle der Verbreitung von Falschinformationen oder Aufrufen zu Gewalt in sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht.

Der Bürgermeister von Alanya sagte, er sei glücklich, ein Gebiet zu leiten, in dem so viele Ausländer leben, und dankte allen, die Alanya als ihren Wohnsitz gewählt hatten.

Grund für die genauere Prüfung: illegale Beschäftigung
Fakt ist leider, dass man seit Monaten viel genauer hinschaut bei den Anträgen – das hat allerdings nichts damit zu tun, dass irgendwelche Kontingente voll sind, sondern damit dass durch die explosive Zunahme insbesondere von Callcentern und Homeoffice-Anbietern, die ihre Mitarbeiter:innen illegal beschäftigen, der Unmut in der Bevölkerung wächst (zumal die oft mit einem hohen Geräuschpegel verbunden sind und unangemeldet in Privatwohnungen abgewickelt werden). Auch die starke Zunahme der illegalen Reiseanbieter, Makler oder Autvermieter/Transferanbieter trägt dazu bei.

Bereits Anfang Februar (siehe hier:Wichtige Änderung bei den Ikamet-Erstanträgen) wurde daher die Dauer der Erst-Ikamets für Antragsteller:innen, die nicht Rentner und/oder Immobilienbesitzer sind, auf 6 Monate reduziert. Die starke Zunahme von Versuchen, bei den vorgelegten Dokumenten zu “schummeln”, trägt ausserdem zur verschärften Prüfung bei. Das “Kontingent” an erteilbaren Ikamets hat damit allerdings nichts zu tun. (siehe hier: Begrenzung der Asylgewaehrungen in bestimmten Stadtteilen )

ERFORDERLICHE DOKUMENTE FÜR DIE IKAMETBEANTRAGUNG
Auch wenn es derzeit viele gibt, die durch Berichte und Drama in den sozialen Medien verunsichert werden (natürlich aus völlig uneigennützigen Gründen) gibt es im großen und ganzen nur wenige Voraussetzungen:

  1. ein gültiger Reisepass (mindestens 2 Monate länger gültig als die Antragsdauer)
  2. ausreichende finanzielle Mittel
  3. Nachweis von Wohnraum
  4. Nachweis einer Krankenversicherung
  5. biometrisches Passbild
  6. Zahlungsbeleg vom Finanzamt über die Ikamet-Gebühren
  7. der unterschriebene Antrag im Original (Antragstellung hier: https://e-ikamet.goc.gov.tr/)

Was konkret verlangt wird, hängt vom Lebensalter und den Voraussetzungen der/des Antragsteller:in ab – wir versuchen hier alle möglichen Voraussetzungen abzudecken, also bitte nicht vom Umfang abschrecken lassen:

  1. Reisepass
    der Reisepass muss gültig sein und das Datum des letzten Einreisestempels muss VOR der Beantragung des Ikamets liegen – Beantragung aus dem Ausland ist zwar möglich, der Antrag wird aber ohne weitere Prüfung beim Termin abgelehnt, wenn das Einreisedatum NACH dem Antragsdatum liegt.
  2. Einkommen
    Wie schon seit vielen Jahren werden pro Person 500 Euro monatlich als ausreichendes Einkommen definiert.
    Dieses kann nachgewiesen werden durch:
    a) Entsprechender Betrag auf einem türkischen Bankkonto – bei Erstantrag 5000 Euro pro Person oder Ehepaar für 6 Monate ODER
    b) Rentenbescheid MIT APOSTILLE mind. 500 Euro ODER
    c) Steuerbescheid, Bescheid über Altersteilzeit, Vorruhestand, EU-Rente, Unterhalt über mind 500 Euro mtl. etc. MIT APOSTILLE
    d) bei nur einem Einkommen zusätzlich
    d.a) Heiratsurkunde oder bei Kindern Geburtsurkunde MIT APOSTILLE
    d.b) unter bestimmten Umständen (z.B. bei nicht verheirateten Partnern und eingetragenen Lebensgemeinschaften eine notarielle Bürgschaft der Person mit dem Einkommen

    Hinweis 1: der Betrag auf dem türkischen Bankkonto bei Erstantrag mit 6 Monaten muss, wenn eine Verlängerung nach den 6 Monaten geplant ist, bei dem Antrag auf Verlängerung noch auf dem türkischen Konto sein. Er soll der Absicherung dienen und ist eine Art Kaution. Wenn keine Verlängerung geplant ist, kann der Betrag innerhalb der 6 Monate auch verbraucht werden.

    Hinweis 2: Besonders zu beachten: aufgrund der starken Zunahme von illegalen Beschäftigungsverhältnissen wird derzeit bei jüngeren Leuten ohne Eigentum in der Türkei sehr genau hingeschaut, warum sie ein Ikamet beantragen. Besteht der Verdacht, dass der/die Antragsteller:in eine illegale Beschäftigung aufnehmen könnte, ist eine Ablehnung möglich. Junge Antragsteller:innen sollten sich daher vor dem Termin auf die Frage, was sie denn in der Türkei vorhaben, gut vorbereiten.

    Hinweis 3: alle beglaubigten und übersetzten Dokumente (nicht Ihre deutschen Originale!) müssen dem Amt im Original vorgelegt werden und werden einbehalten, machen Sie sich daher am besten Kopien davon.

 

  1. Wohnraum
    Dieser kann nachgewiesen werden durch:
    a) notariellen Mietvertrag (MUSS der Vermieter beim Notar veranlassen, nicht der Mieter), – max 6 Monate bei Erstantrag (Ausnahmen bei Antragstellern über 65 möglich, dann 12 Monate möglich) – unter Umständen wird von der Behörde auch der Vermieter vorgeladen ODER
    b) Tapu (Grundbucheintrag/Eigentumsnachweis) plus Registrierung bei der Stadtverwaltung   ODER
    c) Hotelreservierung (ausgestellt vom Hotel und von einem zeichnungsberechtigten Angestellten/Manager des Hotels abgestempelt und unterschrieben) – max 6 Monate  ODER
    d) bei Zusammenleben mit dem Eigentümer in einer Lebensgemeinschaft: notarielle Bürgschaft des Eigentümers – max 6 Monate bei Erstantrag
  2. Krankenversicherung
    Alle Antragsteller:innen unter 65 Jahren müssen eine gesetzliche Krankenversicherung (TA/11 oder TA/20) aus dem Heimatland oder private TÜRKISCHE Krankenversicherung nachweisen. Für in Deutschland gesetzlich Versicherte reicht bei Erstbeantragung und einem Mietvertrag der TA/11 auf 6 Monate ausgestellt, da es beim Mietvertrag ohnehin nur 6 Monate AE gibt.
    Es gibt spezielle Versicherungen für Ausländer zur Ikamentbeantragung, die ein Minimum an Versicherungsschutz bieten und je nach Alter zwischen 200 TL bis 3.000 TL pro Jahr kosten. Der Betrag ist auch abhängig von der enthaltenen Leistung. Nach 12 Monaten Aufenthalt können sich ausländische Antragsteller bei der türkischen gesetzlichen Krankenversicherung versichern, die Familienversicherung kostet etwa 100 Euro pro Monat.
  3. Biometrisches Passbild
    Das Passbild soll eine Kantenlänge von 5:6 haben und den biometrischen Vorgaben der Türkei entsprechen – da das Bild hier in der Türkei größer ist, ist es dringend empfehlenswert, es hier vor Ort machen zu lassen. Ob das Passbild anerkannt wird, prüft das System bereits beim Hochladen bei der Antragstellung. Daher ist es wichtig dass das Passbild in geringer Auflösung und Größe (Kantenlänge max 600 px) auch in digitaler Form vorliegt – eingescannte Bilder werden oft nicht anerkannt.
  4. Einzahlung der Gebühren beim Finanzamt
    Zur Zeit beträgt die Gebühr für den Erstantrag etwa 1200 TL für ein Jahr, 2200 für 2 Jahre (ändert sich nach dem Tageskurs für $)  plus 160 TL für die Ikamet-Karte plus 1033 TL Visagebühr. Der erste Betrag (Gebühr + Karte) ist vor dem Termin zu zahlen, die Rechnung für die 1033 TL Visagebühr erhalten Sie beim Termin und die Quittung muss nachgereicht werden.
    Für die Einzahlung brauchen Sie Ihren Reisepass, den Antrag und eine Steuernummer. Letztere können Sie sich mit dem Reisepass direkt im Finanzamt (1.Stock) besorgen.
    Machen Sie sich unbedingt von den Quittungen eine Kopie, da das Original bei den Unterlagen im Ausländeramt verbleibt.
  5. DER ANTRAG
    Der Antrag muss online bei der oben genannten Seite gestellt werden. Bei oder vor der Antragstellung werden KEINE Gebühren erhoben, erst am Ende des Antragsverfahrens, nachdem Sie Ihre zuständige Ausländerbehörde (Abhängig vom Wohnsitz) und einen der vorgeschlagenen Termine ausgewählt haben, wird bei VERLÄNGERUNGEN auch die Möglichkeit der Kreditkartezahlung online angeboten (leider meist deaktiviert) Es gibt KEINE Möglichkeit, diesen Betrag zu überweisen – sollte das verlangt werden, handelt es sich definitiv um einen Betrugsversuch.

SONSTIGES ZU BEACHTEN

  1. Apostille
    Auch wenn manche deutschen Behörden angeben dass eine Apostille nicht nötig sei, ist das zumindest im Bereich der Provinz Antalya bei Urkunden unbedingt erforderlich. Der Hinweis der Ausländerbehörde, eine Beglaubigung durch das Deutsche Konsulat in Antalya wäre möglich, ist leider nicht richtig.Hier ist die Auskunft, die das Deutsche Konsulat per Mail dazu erteilt hat:

    Eine Beglaubigung der Einkommensbescheinigung zur Vorlage bei einer türkischen Behörde durch das Konsulat ist leider nicht möglich. Das Konsulat kann auch keine Apostille ausstellen. Falls eine deutsche Apostille zwingend erforderlich ist, müssen Sie sich zwecks Ausstellung einer Apostille an das Bundesverwaltungsamt in Köln wenden.

    Apostilliert werden können nur offizielle Urkunden, keine privaten Dokumente. Ein Rentenbescheid z.B. ist keine Urkunde. Daher muss dieser zuvor von einem deutschen Notar beglaubigt werden, dadurch wird er zu einer Urkunde und kann dann durch die zuständige Behörde (nach Bundesland verschieden) mit einer Apostille versehen werden.

  2. der berühmt-berüchtigte rote Ordner (Alanya) 
    ohne diesen gibts kein Ikamet – niemals und unter keinen Umständen. Es muss auch ein bestimmter roter Ordner sein, den Sie in dem kleinen Copy-Shop direkt neben der Ausländerbehörde für 6 TL (Stand 07.04.2022) käuflich erwerben können.